Zwischen Asche und Paradies – Was bleibt?
Kunstinstallation von 23.5. bis 26.7.2025 in der Stadtkirche St. Bernhard Winnenden
»Diese Installation will einen Ort schaffen, der zuhört. Einen Raum, der nicht spricht, sondern atmet. Der keine Antworten gibt, sondern Fragen stellt – leise, zwischen Licht und Stoff, zwischen Klang und Schweigen.« erklärt die Künstlerin.
In einer Zeit tiefgreifender ökologischer Umbrüche und einer fortschreitenden Entfremdung zwischen Mensch und Natur eröffnet sich in der Stadtkirche Sankt Bernhard in Winnenden, ein besonderer Rückzugsort – ein Ort der sinnlichen Erfahrung, geschaffen durch die mehrteilige Installation der Künstlerin Beatriz Schaaf-Giesser und erweitert durch eingebettete Soundkompositionen von Claudius Heilgendorff.
Im über 300 Jahre alten Kirchenraum entfaltet sich ein künstlerisches Refugium. Gezeigt werden verschiedene, zum Teil dystopische Szenarien, und eine zentrale Installation, die auf historische Bildtraditionen zurückgreift und diese in eine gegenwärtige, sinnlich erfahrbare Form übersetzt. Der »hortus conclusus«, der geschützte Garten, seit dem Spätmittelalter ein zentrales Motiv religiöser wie profaner Ikonografie, fungierte in der Kunstgeschichte als symbolisch aufgeladener Raum: ein abgeschlossener Garten, in dem sich Reinheit, Unschuld und spirituelle Versenkung manifestieren. In der christlichen Ikonografie oft mit der Jungfrau Maria assoziiert, wurde dieser Garten zum Sinnbild innerer Einkehr und spiritueller Erneuerung.
Beatriz Schaaf-Giesser greift diese Tradition nicht illustrativ, sondern konzeptuell auf. Ihre Installation thematisiert die aktuelle Sehnsucht nach einem Ort der Geborgenheit und des Gleichgewichts inmitten globaler Krisenerfahrungen. Dabei verbindet sie die ästhetische Praxis der Rauminstallation mit Fragen nach ökologischer Verantwortung, der Rolle des Menschen im Naturgefüge und dem Verlust ganzheitlicher Weltbezüge.
Besonders eindrucksvoll ist der Einsatz von fein bemalter Seide, die mit chinesischer Tusche gestaltet wurde. Dieses Material, transparent und zugleich lebendig in seiner Bewegung, verleiht der Installation eine poetische Leichtigkeit. Die Motive – zart, fließend, pflanzlich – wirken wie atmende Erinnerungen an eine lebendige, verletzliche Natur. Die Seide wird dabei nicht nur Trägerin von Bildern, sondern selbst zum Teil des lebendigen Organismus, der auf Licht, Luft und Raum reagiert.
Der durch die Installation geschaffene Erfahrungsraum lässt das „Paradiesgärtlein“ nicht als nostalgisches Rückzugsbild erscheinen, sondern als utopische Projektionsfläche: ein Ort, an dem die Vision eines harmonischen Miteinanders zwischen Mensch, Tier und Pflanze neu gedacht werden kann.